1.Herren: Abstieg aus Sachsens höchster Tennisliga – Breitensport unter falschem Namen?
geschrieben von Alexander Lelanz

Im letzten Spiel der Saison konnten wir, die Radebeuler 1.Herren, den Abstieg gegen die 1.Mannschaft des Chemnitzer TC Küchwald nicht verhindern.

Die in den Einzeln mit vier Tschechen angetretenen Chemnitzer gingen mit 4:2 in Führung. Josef Sladek bestätigte seine überragenden Einzelleistungen der Saison mit einem erneuten Sieg und Martin Damm hielt die Mannschaft mit großer kämpferischer und spielstarker Leistung im Rennen um den Klassenerhalt. Der fehlende Punkt sollte in den anschließenden Doppeln erspielt werden.

Hierbei setzte der Chemnitzer TC Küchwald seinem ohnehin schon zweifelhaften Vereinskonzept der ersten Herrenmannschaft das I-Tüpfelchen auf. Wurden in den Einzeln bereits nur zwei Spieler des Freistaates Sachsen in der Landesoberliga desselben eingesetzt, trat im Doppel nur noch ein Spieler Sachsens den Wettkampf um den Klassenerhalt in Sachsens höchster Spielklasse an. Dies führte schließlich zum sportlich hoch verdienten, aber aus Sicht des Breitensports mit fragwürdigen Mitteln erkämpften 7:2 Erfolg der Chemnitzer und damit zum Abstieg unserer 1.Radebeuler Herrenmannschaft. Dabei kann der Name „Chemnitzer“ 1. Herren nur als ironisch empfunden werden, wenn man ihn aus Sicht des Freizeit- und Breitensportbereichs Sachsens betrachtet. Fassungslos und enttäuscht nahm die Mannschaft den Abstieg hin. Später blieb nur, den Abstieg unter diesen Umständen mit Humor zu nehmen und bereits mit positiver Einstellung in die nächste Saison zu blicken.

Dennoch bleibe ich im Rückblick auf die vergangene Spielzeit als nun ehemaliger Oberligaspieler verständnislos über die Konzepte dreier Vereine mit ihren Mannschaften in der Landesoberliga Herren Sachsen 2011 – Freiberg, Plauen und Chemnitz. Sie traten in der Mehrheit mit Spielern an, die überwiegend nur zu den Punktspielen anreisten. Aus eigener Kraft hätten sie diese Spielklasse kaum halten können. Aus eigener Kraft, damit meine ich mit Spielern, die ihrem Verein aus sozialer und sportlicher Verbundenheit angehören. Das ist in Sachsens Aktiven-Mannschaften legitim - aus meiner Sicht dennoch fraglich. In manchem Verein regiert der Überehrgeiz nach Tennis in höheren Spielklassen - koste es was es wolle. Mir geht es nicht um den Ausschluss von Spielern aus Tschechien oder anderen Nationen – sie bereichern zweifellos den Sport in vielerlei Hinsicht und meist ist es mehr als die sportliche Qualität, die sie in eine Mannschaft hineinbringen. Auch wir haben uns damit abgefunden, um mitzuhalten zumindest auf Position 1 in der Mannschaft mit tschechischer Unterstützung zu spielen. Da andere Mannschaften so stark mit auswärtigen Spielern verstärkt wurden und wir mit großem Verletzungspech in die Saison gegangen sind, haben wir sogar mit zwei Spielern aus Tschechien gespielt. Meine Frage richtet sich insbesondere an die Vereine, die sich für entscheidende Punktspiele verstärken und somit das sportliche Gesamtbild der Liga verzerren - welchen Wert hat es, wenn in einer am Punktspiel teilnehmenden Mannschaft deutlich mehr als die Hälfte aller Spieler ihrem Verein nicht in oben beschriebener Qualität angehören. Welchen Wert hat der Klassenerhalt für Mannschaften, wie Plauen, Chemnitz und Freiberg, wenn nur sehr vereinzelt einheimische Spieler gut genug sind für diese Spielklasse.

Wir wurden in diesem Jahr von Mannschaften überholt, die den sächsischen Breitensport anders als wir in Radebeul verstehen und ausüben. Dennoch freuen wir uns auf die neue Saison in der Verbandsliga, in der wir mit einer Mannschaft antreten werden, die nicht unter „falschem“ Namen spielen wird.

Alexander Lelanz

letzte Aktualisierung am 12.06.2011

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